
Leserbrief (Nr. 1) von Herrn Hans Kammerer aus Wunsiedel.
Aufgrund des Lageplans, welcher im Zuge der Berichterstattung über
die Stadtratsitzung gezeigt wurde und das Seeufer über weite
Strecken im Bereich der 550 Meter Höhenlinie zeigt, unterstellt der
Leserbriefschreiber, dass zur Schaffung des Sees um die
Anliegergrundstücke in Schönbrunn, Furthammer und Breitenbrunn
herum, zehn Meter hohe Mauern errichtet würden. Sicher rührt das
daher, dass in der vorausgegangenen Berichterstattung zu keinem
Zeitpunkt darauf eingegangen wurde, dass der See im Röslautal in
großem Umfang ausgehoben werden muss. Dieser Sachverhalt wurde dem
Berichterstatter von mir ausführlich erklärt. Wahrscheinlich weil
das für ihn vollkommen einleuchtend war, ging er in seinen Berichten
nicht weiter darauf ein. Auch dieses Missverständnis schien sich zu
verbreiten und insbesondere Anlieger zu verunsichern.
Weiter erwähnt der Schreiber, dass die Denglerquelle unbrauchbar
wird. Dieser mögliche Umstand müsste bei einer Verwirklichung des
Projektes in der Tat berücksichtigt werden. Vor Beginn von Maßnahmen
wäre sicher zu stellen, dass die Versorgung Wunsiedels auch ohne
Denglerquelle gesichert werden kann. Denkbar wäre ein Wasserverbund
mit der Vordorf- Hildenbacher Gruppe, Tröstau, Bad Alexandersbad,
der Bernsteiner Gruppe und darüber hinaus. Überlegungen in diese
Richtung könnten auch unabhängig von diesem Projekt die Sicherheit
der Wasserversorgung unseres Gebietes erhöhen.
Leserbrief
von Herrn Peter von Malschitzky aus Wunsiedel.
Peter von Malschitzky stellt erstmals in der Presse fest, dass es
sich um kein Erzeugungs- sondern um ein Speicherkraftwerk handelt,
welches natürlich (wie jeder Energiespeicher) zum Aufladen mehr
Strom benötigt, als es hinterher zurückgeben kann. Das Hinaufpumpen
geschähe mit Kohle- und Atomstrom. Seine Formulierung suggeriert
dabei, dass es sich um eine verwerfliche Art der Stromerzeugung und
Verwendung handele.
Dass Speicher Verluste haben ist völlig korrekt dargestellt. Falsch
und nicht zukunftsorientiert ist jedoch die Mutmaßung, der Pumpstrom
käme (ausschließlich) aus Kohle und Atomkraftwerken. Genau in dieser
Frage besteht großer Aufklärungsbedarf.
Wiederholung der Erklärung
aus dem Abschnitt:
Aufgabe
von Energiespeichern im Stromnetz
Das Stromversorgungsnetz kann man sich vereinfacht vorstellen, wie
ein großes Druckwassersystem, mit zahlreichen Zuflüssen (Erzeugungskraftwerken)
und Abflüssen (Verbrauchern). Damit die Verbraucher gleichbleibend
versorgt sind, muss der Wasserdruck im Leitungsnetz (Frequenz und Spannung im
Stromversorgungsnetz) immer auf gleichem Niveau innerhalb enger
Grenzen
gehalten werden. Flösse zu viel zu, stiege der Wasserstand am
Messpegel und damit der Druck im Leitungsnetz und es
käme zur Überlastung der Verbraucher. Flösse zu
wenig zu, würden Messpegelstand und Leitungsdruck sinken und die Verbraucher könnten
die geforderte Leistung nicht mehr erbringen.

Würden, wie im Bild
angedeutet, in das Leitungssystem rotes Wasser (Atomstrom), braunes Wasser
(Braunkohlestrom), graues Wasser (Steinkohlestrom), gelbes Wasser
(Strom aus Gaskraftwerken), grünes Wasser (Strom aus
Heizölkraftwerken), dunkelblaues Wasser (Strom aus
Laufwasserkraftwerken) und hellblaues Wasser (Strom aus
Windkraft und Sonne) fließen, dann vermischt sich im Leitungsnetz der gesamte
Zufluss. Kein Verbraucher kann an seinem Abfluss mehr erkennen, aus
welcher Quelle das ihn antreibende Wasser kam, es hätte eine
Mischfarbe. Genau so ist es mit dem Strom, den wir verbrauchen. Die
Quelle unseres Stroms kann nicht mehr angegeben werden, wir beziehen
einen "Energiemix".
Und genau so ist es mit dem Strom, den ein
Pumpspeicher bezieht und dafür sorgt, dass Pegelstand und
Wasserdruck
(Frequenz und Spannung) im Leitungsnetz (im Stromnetz) konstant gehalten
werden, wenn Erzeugung und Verbrauch nicht in Übereinstimmung gehalten
werden können.

Bringt die Einspeisung den
Pegel an den maximal zulässigen Stand, dann fließt das Wasser in
den Pumpspeicher. Ohne diese Einrichtung müsste das zu viel
eingespeiste Wasser am Überlauf einfach abgelassen werden (der
Strom müsste vernichtet werden). Diese so aufbewahrte Energie
kann dann wieder eingespeist werden, wenn der Pegel bei zu
geringer Einspeisung in Richtung Mindeststand absinkt.
Nun sind Pumpspeicher keine neue Erfindung, sondern seit zig
Jahrzehnten im Einsatz. Für den Energiemix unseres Landes in der
Vergangenheit mit Schwerpunkt auf Kohle- und Kernkraft wurden die
dafür erforderlichen Pumpspeicher längst errichtet. Würde diese
Erzeugungsstruktur fortbestehen, gäbe es keinen Grund über neue
Pumpspeicher nachzudenken. Genau diese Kraftwerkslandschaft
befindet sich aber in einem dramatischen Umbruch. Der Ausstieg aus
der Kernkraft ist beschlossen. Der Weltgemeinschaft wurden Zusagen
zur Reduzierung des CO-2 Ausstoßes gemacht, welche mit unseren
Kohlekraftwerken nicht erreichbar sein werden. Die Stromproduktion
dieser Kraftwerke soll mit regenerativen Methoden ersetzt werden.
Das sind in erster Linie Windkraft aber auch Biomasse (in Konkurrenz
zur Lebensmittelproduktion) und (derzeit in noch unbedeutendem
Umfang) Solarstrom.
Mit diesen regenerativen Energien lässt sich der Strom noch viel
weniger verbrauchsgerecht erzeugen, als mit den konventionellen
Kraftwerken, von denen wir uns verabschieden wollen. Um Druck und
Pegelstand in unserem Leitungsnetz konstant zu halten, ist es deshalb
notwendig, viel mehr Speicher als bisher anzubringen, um
Überproduktion (Starkwindzeiten) aufnehmen und fehlende Produktion
(Flautezeiten) ausgleichen zu können. Das ist der Grund, warum
unsere Energiewirtschaft nach Pumpspeichern sucht und bestehende
Anlagen ausbaut und auf modernsten Stand bringt. Würden wir das
nicht tun, dann müsste zu viel produzierter Strom vernichtet werden
(der Überlauf führt zu einem Wasserfall) und zusätzliche Erzeugungskapazität
für Flautezeiten müsste geschaffen werden (z.B. Gaskraftwerke, was heute
bereits in hohem Maße der Fall ist).
Damit sollten Sinn und
Notwendigkeit von Pumpspeichern auch für Laien
verständlich erklärt sein.
Der Autor des Leserbriefes bezweifelt weiter, dass sich unser
örtliches Energieversorgungsunternehmen, SWW Wunsiedel GmbH mit
einem Pumpspeicher unabhängiger von Stromkonzernen machen könnte.
Die Schwierigkeit bei der Strombeschaffung ist, dass man im voraus
nie genau weiß, wie groß die vom Zeitpunkt abhängige Stromabnahme im
Versorgungsgebiet sein wird. Ohne eigene in hohem Maße regelbare
Erzeugung ist man deshalb darauf angewiesen, vom Vorlieferanten
immer genau die Strommenge geliefert zu bekommen, die gerade
gebraucht wird.
Wegen des enormen Aufwandes, der seitens der Vorlieferanten
betrieben werden muss, um das zu gewährleisten, unterliegt der
Strompreis starken Schwankungen. Ein Pumpspeicher im eigenen
Verantwortungsbereich ermöglicht preisgünstigen Strombezug in den
Zeiträumen, in denen die Nachfrage nach Strom niedrig ist und den
Speicherabruf des günstig beschafften Stroms in den Zeiten, in denen
der Bezug vom überregionalen Versorger teuer wäre. Würde die SWW
zudem (zum Beispiel mit einer ausreichenden Anzahl von
Windkraftanlagen) den im Versorgungsgebiet benötigten Strom selbst
erzeugen, dann wären wir in Verbindung mit einem Pumpspeicher vom
Strombezug von außen unabhängig. Wenn der Pumpspeicher größer ist,
als für den Bedarf unseres Versorgungsgebietes erforderlich, dann
versetzt er uns in die Lage, am Energiemarkt Geld zu verdienen und
Finanzströme, die bisher aus unserer Region hinausgehen umzudrehen
und bei uns ankommen zu lassen.
Herr von Malschitzky bestätigt, dass ein Pumpspeicher für den
Erbauer eine lukrative Investition ist. Deshalb ist es mein
Bestreben, dieses Projekt in kommunaler Verantwortung zu
verwirklichen. Ein kommunaler öffentlicher Träger böte die Garantie
dafür, dass ein hoher Teil der Wirtschaftskraft, die von diesem
Projekt ausgeht, bei uns in der Region ankommt.
Weiter behauptet der Autor, dass ein Speicherkraftwerk als
Freizeitgewässer ungeeignet wäre. Dem kann nicht zugestimmt werden.
Das liegt vielmehr an der Auslegung der Anlage und am Willen des
Betreibers. Es gibt vorbildliche Beispiele von Pumpspeicherseen die
touristisch genutzt werden. Mein Vorschlag beim Wunsiedler See zielt
darauf ab, ein besonders attraktives Freizeitgewässer entstehen zu
lassen. Die vom Leserbriefschreiber befürchteten Schlickstreifen
wären dabei nicht zu erwarten. Der obere See ist nicht als
Freizeitgewässer zum Baden und Bootfahren angedacht, weil der untere
See die fünffache Größe hat und schon deshalb viel attraktiver sein
wird. Zudem sollen die Besucher zu den Menschen kommen und nicht von
ihnen weg in den Wald gelockt werden.
Als talwärtigen Abschluss des oberen Sees befürchtet der Autor eine
gewaltige Betonmauer. Das wird überhaupt nicht der Fall sein. Dass
dort oben eine sanfte den Hügelformen des Fichtelgebirges angepasste
Landschaft modelliert werden soll, deren Dammfunktion beim Blick auf
die Landschaft gar nicht zu erkennen sein wird, fehlte in der
vorausgegangenen Berichterstattung. Weil beim Aushub des Talsees
große Bodenmassen frei werden, kann oben als Nordufer des Sees ein
interessanter Gebirgskamm modelliert werden, der Hangneigungen wie
am Schauerberg aufweisen wird.